Werkstücke

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Werkstücke
Eine Ausstellung von Absolventen
der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein Halle/Saale
Barbara Müller, Marie-Luise Meyer, Kerstin A. Grinda, Petra Thomas

25. März - 29. April 2000 - Vernissage: Freitag, dem 24. März 2000 um 19.30 Uhr
 
Vier junge Künstlerinnen aus Halle an der Saale stellen sich vor. Sie haben in jüngster Zeit ihr Kunststudium an der Burg Giebichenstein - Hochschule für Kunst und Design - mit dem Diplom beendet und machen seitdem mit phantasievollen, sensibel-verdichteten Arbeiten auf sich aufmerksam, denen ein sehr sinnlicher, freier Umgang mit dem Material eigen ist. Sie definieren ihren subjektiv erlebbaren Raum, sie machen Risse, Brüche, Spannungen, Kraftfelder sinnfällig, verweisen auf Vorläufigkeit. Die Stelle, "wo es krumm und abwegig wird und scheitert möglicherweise" (Petra Thomas), da fängt es für sie an.
 
Barbara Müller
1962
geboren in Zwickau/Sachsen
1985 - 1988
Abendstudium für Malerei/Grafik,
Fachschule für Angewandte Kunst Schneeberg
1989 - 1995
Studium für Malerei/Grafik, Studiengang Textil bei Prof. Inge Götze, Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein Halle
1996
Arbeitsstipendium für Bildende Kunst des Landes Sachsen/ Anhalt
1996 - 1998
Aufbaustudium für Malerei/Grafik bei Prof. Thomas Rug, Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein
1999
Arbeitsstipendium an der Cite des Arts in Paris
       

         

Place for a west I", 1999, 65 x 65 cm, Radierung

            
Prozesshaft einen Ort erschaffen: Beziehungsnetze, Wiederholungen, Ähnlichkeiten, Sprünge, Lücken, Kraftfelder, Plätze an denen alles zugleich ist und doch nicht habbar... merkwürdiges Gedenken          
Marie-Luise Meyer
1970
in Haselünne, Emsland geboren
1989
Fachabitur
1989 - 1990
Töpferpraktikum im Atelier Trieb, Osnabrück
1990 - 1993
Töpferlehre in Kempten/Allgäu
1993 -1999
Studium an der Burg Giebichenstein
Hochschule für Kunst und Design Halle/Saale
1994
zweimonatiger Arbeitsaufenthalt in Israel
1996
Gaststudium an der Hochschule für angewandte Künste
UMPRUM in Prag, Tschechien
1999
Diplom an der Hochschule für Kunst und Design Halle/Saale
1999
zweimonatiger Arbeitsaufenthalt in Kobe, Japan
 



Werkzeuge, 1999, 30 - 60 cm, Porzellan massiv

      
"Hirsche sind gefährlicher als Tiger,...weil man sie eben bloß für Hirsche hält, während man beim Tiger immer weiß,...dass es ein Tiger ist."    
Kerstin A. Grinda

 

1971
geboren in Leipzig
1978 - 1990
Schulbesuch in Leipzig, Abschluss Abitur
1991 - 1992
Studium der Architektur, TU Dresden
1993
Studium Modedesign/Textil
Hochschule für Kunst und Design
Burg Giebichenstein Halle/Saale
1993 - 1999
Studium Malerei/Grafik-Glasgestaltung
bei Prof. Christine Triebsch, Abschluss Diplom

zur
Homepage der Künstlerin
 

   

o.T., 1999, 150 x 150 cm, Acryl auf Leinwand

Malerei ist eine Möglichkeit der Meditation, der Konzentration auf innere Bilder. Das innere magische Muster, das wie ein Mandala auf eine Mitte verweist, ist infiziert, zerfallend in Vorläufigkeit und Ungerichtetheit. Meine Bilder sind für mich Modelle für eine verschiedenartige, sich ständig verändernde, zunehmend synthetische und technoide Welt, die ver- lockend und erschreckend zugleich ist. Ich überführe diese Welt in ein Tafelbild, vor dem man andächtig stehen kann. Dem Sich-Aussetzen der Leere in einem Zustand der Angst entspringen Schönheit und Fantasie.
Petra Thomas
1967
geboren in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz)
1983 - 1985
Ausbildung zum Vermessungsfacharbeiter
1985 - 1988
Studium der Geodäsie in Dresden
tätig als Vermessungsingenieur in Dresden
1991 - 1999
Studium an der Hochschule für Kunst und Design
Burg Giebichenstein Halle/Saale
bei Prof. Christine Triebsch und Jens Gussek
im Studiengang Malerei/Grafik, Fachrichtung Glas
seit 2000
freiberuflich tätig
 

   

Detail aus der Arbeit "Eine Frau"
1999, 43 x 53 cm, Zeichnung

Sicher, es ist simpel, banal. Für mich wird es dort wichtig. Das ist wichtig: die Stelle, wo es krumm wird, abwegig wird und scheitert möglicherweise. Das hakt sich fest. Dort fängt es an.    

PLACES FOR A REST I - Barbara Müller

"Barbara Müller konzentriert sich auf die Definition eines subjektiv erlebbaren Raumes, eines Gedankenraumes zur kon- zeptuellen Vorbereitung einer mit Augen begehbaren Nachdenklandschaft. Das Thema reflektiert die Risse und Brüche, die Spannung und Wechselhaftigkeit geschichtlicher Situationen und subjektiven Erlebens..." (aus dem Gutachten von Prof. H. Bergius zur Diplomarbeit von Barbara Müller).
Meine Bilder entstehen nicht aus Überlegungen heraus. Was für mich als System zu erkennen ist, ist das Neben- und Übereinander, das In-Beziehung-Setzen-Wollen von Gegensätzlichem, von Eigenem und Fremden, von Realem und kaum fassbaren Traumbildern. Das Bedürfnis, diese Bilder zu einem Ganzen zu schließen, bleibt immer unbefriedigt, was für mich Triebkraft ist und nicht lebensfremd. Mein eigener Standpunkt definiert sich in der Bewegung.
Die sich erschaffende vielschichtige Struktur und Gegensätzlichkeit lässt einen neuen Kontext entstehen - ein spieleri- sches Angebot. (Barbara Müller)

 

WERKZEUGE - Marie-Luise Meyer

Es ist eine "sehr spannende Methode, mit der Marie-Luise Meyer originale, noch nicht vorhandene, also geschichtslose Formen erfindet, indem sie fehlende Glieder zwischen erinnerten vorhandenen Formen zielstrebig entdeckt. Es entstehen Metamorphosen, Kreuzungen, Hybride, Neuigkeiten. Die Ordnung und der geplante Zufall sind Anlass zur Kreativität... Man nimmt teil an den Anfängen von Formhandlungen, die nicht von der Nachahmung zur Abstraktion führen, sondern im dadaistischen Geist nur das unverbraucht Neue und Unerwartete akzeptieren... Man merkt auch gleich beim Begreifen von einzelnen Teilen, dass hier mit polierten Oberflächen und ergonomische "Griffzonen" auf Haptik großer Wert gelegt wurde. Man kann Blütenteile erkennen, eine Schere, einen Knopf, Zeichen für Organisches oder Anorganisches, Natur oder Technik. Die Schere wird zum Chromosomen oder umgekehrt, könnte dies ein Zahn sein oder eine Nockenwelle, ein Duschkopf oder das Greiforgan eines Käfers? Eines entwickelt sich unbekümmert aus dem anderen. Jedes an sich bleibt undeutbar und ambivalent zwischen Natur und Technik.... Das Verwirrspiel ist bewusst... Homunkuluswerkstatt, der Hobbyraum menschlichen Geistes ... Hier ist durch ein System etwas an sich völlig Schräges "in Ordnung" gebracht worden." (aus dem Gutachten von Prof. Antje Scharfe zur Diplomarbeit von Marie-Luise Meyer)

 

TECHNO PAINTING - Kerstin A. Grinda

Techno ist "Poesie aus den Schaltkreisen, komponiert in den Städten wie Detroit, in denen Industrialisierung Leben fast unmöglich gemacht hat." (DJ Juan Atkins)
Die Magie von Techno ist die Magie der Maschine. Die Bewegung des Geistes im Puls der Elektronik wird entrückend und berauschend, zugleich aggressiv und auf Dauer vernichtend.
Malerei ist eine Möglichkeit der Meditation, der Konzentration auf innere Bilder. Das innere magische Muster, das wie ein Mandala auf eine Mitte verweist, ist infiziert, zerfallend in Vorläufigkeit und Ungerichtetheit.
So entstehen in der Ausschnitthaftigkeit einer potenziell weiterführenden, unbegrenzbaren Fläche oszillierende Strukturen und Muster aus Wiederholung, Reihung, Schichtung, Überlagerung, Durchdringung und Brechung, im Wechsel von opa- kem und transparenten Farbauftrag. (Kerstin Grinda)

 

EINE FRAU - Petra Thomas

"... Die Zeichnung vertraut dem Strich, der Linie, die sozusagen im richtigen Leben gar nicht existiert. Die Zeichnung ist reines Produkt menschlicher Imagination und möglicherweise deshalb besonders geeignet, ihr unsere intimsten Gedan- ken anzuvertrauen. Wir wollen teilhaben an der Schöpfung, Leben einhauchen, erschaffen, aus beinahe nichts, ein wenig Grafit, ein wenig Kohle vielleicht..." (aus dem Gutachten von Jens Gussek zur Diplomarbeit von Petra Thomas)
Die Zeichnungen entstehen aus der Arbeit mit Erinnerungen, eigenem Erlebtem also.
Ich vertraue darauf, das glaubhaft machen zu können, was ich selbst erlebt habe, nicht was ich mir ausdenke, in der An- nahme, es wäre wichtig. Eigene Lebenswirklichkeit in einer Welt, in der der Umgang mit Wirklichkeit immer mehr verloren zu gehen scheint. Wie wirklich sind Erinnerungen? (Petra Thomas)